Vorderer Leader

Vordere Leader haben die Aufgabe im Hundeverband mit all ihren Sinnen die Umgebung vor Ihnen wahrzunehmen, deshalb zeigen solche Hunde oft Reize an lange bevor diese für andere Menschen oder Hunde sichtbar sind.

Es  sind Hunde, die lange brauchen um Reize zu verarbeiten. Dafür verweilen Sie und schauen sich einen Reiz so lange an bis sie diesen verarbeiten konnten. Im Allgemeinen wiederholt sich das meist noch einige Male, wenn ein gleicher Reiz erscheint. Danach ist ein Reiz abgeschlossen und der Leithund braucht diesem keine Beachtung mehr zu schenken. Oft ist es so, dass Hundehalter diese Reizverarbeitung aus Unwissenheit nicht zur Kenntnis nehmen und ihre Hunde dazu drängen weiter zu laufen. Ein Hund aber der keine Reize verarbeiten kann wird mit der Zeit in seinen Handlungen hektisch, er verlernt auf seine eigene innere Ruhe zu achten und Reize lange zu betrachten um sie sinnvoll abzuschließen. Deshalb fördert dies eine zunehmende Hektik beim Hund, da er irgendwann selbst nicht mehr versucht sich runter zu fahren um zum Nachdenken und Verarbeiten Zeit zu haben. Oftmals geht dies damit einher, dass der Hundehalter eine Hundeschule/ -verein besucht oder viel Sport mit dem Hund treibt um ihn auszulasten. Diese körperliche Auslastung des Hundes beeinträchtigt durch die schnellen Bewegungen, aber ebenfalls die Reizverarbeitung, was weitere Unruhe und Hektik zur Folge hat. Meist wird nun irrtümlich davon ausgegangen, dass der Hund noch nicht genug auslastet erfährt oft begründet, dass er eben eine Sportsrakete ist. Dies führt zu einem Teufelskreis, es wird immer mehr versucht den Hund auszulasten und der Hund wird immer hektischer, unruhiger und nicht in sich ruhend.
Vor allem bei Welpen und Junghunden dieses Typus sollte man genau darauf achten, dass sie die Gelegenheit bekommen alle Reize für sich bewerten zu können. Ermöglicht man das diesen Hunden nicht so hat man zunächst die „Welpentypischen 5 Minuten“ in denen der Welpe wie verrückt umher tobt, da er mit der Verarbeitung der Reize am Tag völlig überfordert ist. Auf Dauer zieht man sich so einen Hund heran, der eine niedrige Toleranzgrenze bekommt, auf alles zu schießt anstatt vorher stehen zu bleiben und nachzudenken was er da vor sich sieht und mit der Zeit auch immer aggressiver auf Reize jeglicher Art reagieren wird, da er sie nicht verarbeiten kann.
Wesensfeste vordere Leader erkennt man daran, dass sie langsam unterwegs sind, oftmals stehen bleiben und die Umgebung genau in sich aufnehmen, dabei bauen sie sich auf und betrachten die Gegend. Wenn Sie Kommandos ausführen, dann Ihren Menschen zu Liebe, dabei können sie auch sehr motiviert und engagiert sein. Man sollte aber keinen Zwang ausüben, da alle Leader dann sehr schnell die Mitarbeit verweigern.
Haben Hund und Halter ein inniges Verhältnis kann man mit solch einem Hund viele Unternehmungen machen, die die Selbständigkeit dieses Hundes berücksichtigen. Der Hundehalter sollte seinen vorderen Leader partnerschaftlich führen um einen souveränen Hund zu haben, der die Wünsche seines Halters berücksichtigt. Ein vorderer Leader wird vor allem dadurch wesensfest indem man ihm ermöglicht die Reize seiner Umwelt zu verarbeiten.

Nicht wesensfeste vordere Leader erkennt man darin, dass sie hektisch und schnell umher rennen. Je nach Charakter sind sie eher in sich gekehrt und ängstlich oder werden durch ihre Hektik zunehmend aggressiv. Dies resultiert aus einem falschen Handling eines vorderen Leaders, zum Einen durch fehlende Zeit für Reizverarbeitung und zum Anderen durch eine nicht partnerschaftliche Führung.

In einem Mehrhundehalterhaushalt, in dem die Hunde nicht zueinander passen läuft ein vorderer Leader entweder meist weit hinter seiner Truppe und zeigt sich als apathischer lustloser Hund, da ihn die Gesamtsituation frustriert er aber nichts dagegen tun kann und will. Oder aber er zeigt sich mit der Zeit als sehr aggressiv auffälliger Hund, meist beginnt dies damit dass er andere Hunde im Haushalt dazu bringen will für ihn helfende Funktionen einzunehmen, da dies bei unpassenden Hunden nur bedingt funktioniert wächst der Frust des vorderen Leaders an, welche dann dazu führen, dass Alltagssituationen wie Gassi, Besuch etc. immer schwieriger zu managen sind.

Zu einem vorderen Leader passt nur ein vorderer Führhund. Diesen Hund führt der vordere Leader und gibt ihm Anweisungen und Sicherheit. Der vordere Leader fungiert für den vorderen Führhund als Schranke nach vorne, dadurch hält er diesen Hund in der Selbstdisziplin. Der vordere Leader ist ein Hund, der nur anleiten möchte aber nicht selbst agieren will, deshalb benötigt er einen vorderen Führhund (diese Rolle kann auch der Mensch in einem partnerschaftlichen Verhältnis übernehmen), der für ihn Angelegenheiten regelt und den vorderen Leader nicht dazu zwingt selbst Handeln zu müssen, lieber schickt dieser Hund seinen passenden Hund vor damit dieser beispielsweise andere Hunde oder Menschen davon abhält den vorderen Leader zu belästigen.

Beim Hundesport sollte man darauf achten mit einem vorderen Leader Sportarten zu finden, die seine Selbstständigkeit fordern und eine Kooperation zwischen Mensch und Hund im Vordergrund haben. Fährtenarbeit eignet sich z.B. sehr gut für einen vorderen Leader. Tunlichst vermeiden sollte man VPG / Schutzdienst da ein vorderer Leader ein immenses Problem damit hat, wenn Menschen ihm vorschreiben wollen wann er zu zupacken hat und wann er wieder loslassen soll. Anfangs ist das Ausmaß bei dieser Sportart nicht sofort für jeden ersichtlich bei einem vorderen Leader, aber man schürrt so seine Aggression, die er dann irgendwann gegen den Menschen richtet und zwar dann wenn er das für angemessen hält und nicht wenn es der Mensch einfordert. Andere Hundetypen eignen sich sehr viel besser für VPG / Schutzdienst ohne extreme Aggressionen beim Hund zu schaffen.