Hundekontakte

Hundekontakte sind wichtig, das ist unbestreitbar. Doch nicht jeder Hundekontakt tut dem eigenen Hund immer wirklich gut. Auch das weiß jeder Hundehalter. Nun aber stellt sich die Frage, was tut gut und was nicht? Hunde, die sich angehen und prügeln sind, da mag mir jeder zustimmen, keine sinnvollen Kontakte. Solchen Begegnungen geht man lieber weiträumig aus dem Weg. Es sind aber auch Begegnungen, die man sowieso nicht sehr oft hat.

Begegnungen die Hundehalter geradezu suchen, sind solche, bei denen der Hund ausgelassen mit anderen Hunden toben kann. Dadurch hat der Hund richtig viel Bewegung und ist dann hoffentlich zufrieden und erschöpft. Immerhin sind Hunde Rudeltiere, und ein solcher Kontakt scheint dann ja auch etwas Gutes für den Hund zu sein. Doch bei solchen Kontakten gibt es mehrere Varianten, wovon einige nicht wirklich förderlich für Ihren Hund sind. Nur ist es schwer, dies mit einem ungeübten Blick zu erkennen.

Wir Menschen freuen uns, wenn wir unseren spielenden Hunden zuschauen dürfen, man möchte seinem Hund schließlich positive Kontakte ermöglichen, die seinen Tag bereichern. Wir wissen ja selbst, dass wir unserem Hund keinen Hund ersetzen können, und er durch solche Spielsequenzen sein Hundsein voll ausleben darf. Der Grundgedanke ist völlig richtig. Natürlich wollen wir unseren Hunden etwas Gutes tun, aber man muss schon näher auf das Treiben der Hunde untereinander achten um zu erkennen, ob der Hund sich gerade wohl fühlt beim Spielen, oder ob wir den Stress, den wir gerade verspüren, nur nicht so wirklich wahrhaben wollen.

Führen wir uns einmal vor Augen wie ein Wunschszenario der meisten Hundehalter aussieht, wenn sich Hunde begegnen: Eine fröhliche, freundliche Begrüßung und dann ein nettes Spiel miteinander. Wie aber sieht dieses „nette Spiel“ aus, damit es wirklich positiv ist? Wann wird aus dem Spiel tatsächlich Ernst, selbst wenn es vom äußeren Schein immer noch ausgelassen fröhlich wirkt?

Bevor wir weiter darauf eingehen, möchte ich Sie darum bitten sich einmal Gedanken über Hunde zu machen. Wie nehmen Sie Hunde wahr? Fröhlich, kindlich, wollen immer spielen, schreien den ganzen Tag „juhuuu“ wenn es Action gibt? Dieses Bild wird oft im Zusammenhang mit Hunden projiziert. Betrachten Sie jetzt bitte einmal Ihren Hund: Entspricht er diesem Bild oder nicht? Die Einen werden nun bejahend nicken, die Anderen eher den Kopf schütteln. Das ist in der Tat vom Typen Ihres Hundes abhängig, ob Sie ihn der Beschreibung zuordnen würden oder nicht. Ich selbst habe einen solchen Hund, der auf den ersten Blick betrachtet dieser Beschreibung entsprechen würde. Die Betonung liegt aber auf „den ersten Blick“, denn im Grunde möchte jeder Hund als ein ernsthaftes Wesen behandelt und gesehen werden. Man muss ihnen aber auch helfen, sich dahingehend entwickeln zu können. Nun aber weg von diesem Einschub, da dieser sonst ausufern würde.

Wir verbinden mit dem Spiel unserer Hunde untereinander teilweise auch Erlebnisse aus unseren eigenen Kindertagen, in denen wir selbst ausgelassen gespielt haben. Daran ist selbstverständlich nichts Verwerfliches, denn wir verknüpfen schließlich positive Gedanken mit Spiel. Deshalb gehen wir auch davon aus, dass Hunde Spaß haben beim Spielen. Doch bleiben wir einmal bei dem gerade erwähnten Beispiel mit dem Spielen als Kind. Wenn Kinder miteinander spielen, dann spielen sie auch immer um etwas. Jedes Spiel verfolgt bei jedem Individuum spezielle Ziele. Der Eine will den Anderen besiegen, ein Anderer wiederum will vielleicht beweisen, wie gut er sich verstecken oder rennen kann. Beim Spielen führt man sich gegenseitig seine Fertigkeiten vor, Schwächen und Stärken treten zum Vorschein usw. Es bilden sich Gruppen, und in der einen oder anderen Gruppe möchte Ihr Kind nicht mitspielen und teilt ihnen dies auch mit, ob nun verbal, oder indem es anfängt, hektisch die Gruppe aufzumischen … jedes Kind hat da seine eigene Problemlösung.

Genauso hat jeder Hund seine eigene Problemlösung wie er, immer abhängig von sich selbst und seinem Gegenüber, auf ein Spiel reagiert. Und hier kommen wir nun auch zu den verschiedenen Varianten von Hundekontakten, um die Situationen besser bewerten zu können.

  1. Die Hunde spielen miteinander und es fühlt sich wirklich sehr angenehm (emotional gesehen) an, es ist ein nettes, recht langsames Tempo. Immer wieder werden Pausen eingelegt, die Hunde sind nicht gepusht, sondern ruhig, entspannt und konzentriert. Nach solch einem Spiel sind die Hunde müde aber zufrieden und in einem inneren Lot.
  2. Die Hunde spielen ausgelassen miteinander, es ist schnell, es ist impulsiv und man freut sich, denn der Hund wird jetzt richtig ausgelastet! Diese Variante tritt am häufigsten auf! Pausen gibt es in diesem Spiel so gut wie keine, die Hunde spielen bis zur Erschöpfung oder bis Sie von außen das Spiel abbrechen. Zuhause ist der Hund immer noch erschöpft aber aufgekratzt.
  3. Dann gibt es noch die Variante Spiel, die eigentlich Mobbing ist. Ein Hund wird hier zum Opfer gemacht, auf das sich alle anderen Hunde stürzen. Oft fühlen sich die Halter des Mobbingopfers unwohl, trauen sich aber nicht einzugreifen. Nur Mut! Greifen Sie ein! Solche Situationen haben Hunde wirklich nicht untereinander zu regeln.
  4. Es erfolgt eine kurze Begrüßung zwischen den Hunden und weiter haben sie sich scheinbar nichts mehr zu sagen. Oftmals ist hier der Fall, dass man nun zusammen weiter läuft, und einer der Hunde entweder immer weiter vor läuft oder sich immer weiter nach hinten fallen lässt. Im Grunde wünscht sich Ihr Hund, dass Sie ihm dies gleich tun. Er fühlt sich nicht wohl mit dem anderen Hund und möchte einfach nur mit Ihnen allein weiter gehen.
  5. Die Hunde ignorieren sich und beachten sich überhaupt nicht. Die Anwesenheit des Anderen stört sie nicht so sehr wie in der 4. Variante, dennoch können diese Hunde getrost aufeinander verzichten.
  6. Einer der Hunde (A) ist völlig begeistert von seinem Gegenüber (B), dieser hingegen wirkt eher genervt und knurrt bei zu aufdringlichem Verhalten von A. Der genervte Hund (B) läuft weiter und muss immer mal wieder eine Verwarnung an A geben, da dieser ihn entweder auf Schritt und Tritt verfolgt oder überschwänglich versucht, seine Aufmerksamkeit zu erlangen. Beide Halter sollten bei solchen Begegnungen einmal genau auf die Interaktion dieser Hunde achten. Hund A ist deshalb so begeistert, da Hund B eine Sicherheit ausstrahlt, die A magisch anzieht. Doch wenn Sie A genau betrachten, sind seine Augen weit aufgerissen, er hechelt stark und die Lefzen sind nach hinten gezogen. Anzeichen von Stress. Die ausgestrahlte Sicherheit geht von einem Hund aus, der im Grunde nicht zu B passt, er wünscht zwar diese Sicherheit, spürt aber, dass B ihm diese nicht geben kann und gerät dadurch in einen Konflikt. B dagegen ist genervt, da dieser Hund nicht zu ihm passt und er deshalb weder mit ihm kommunizieren noch Nähe zu ihm haben möchte.

Es gibt natürlich noch viele weitere Varianten von Begegnungen, doch im Groben sind dies die häufigsten, die auftreten können. Von all diesen Begegnungen ist nur Variante 1 ein sinnvoller und Gewinn bringender Kontakt für die Hunde. Warum Gewinn bringend? Weil Hundekontakte durchaus auf das komplette Grundverhalten Ihres Hundes Einfluss haben. Hat ihr Hund überwiegend Hundebegegnungen, die Stress auslösen, bewegt er sich aus seinem inneren Lot heraus und entwickelt Eigenschaften, die Sie durch Erziehung regeln müssen, da Sie Ihnen negativ auffallen.

In Variante 1 treffen Hunde aufeinander, die zueinander passen (siehe Was sind passende Hunde? wird hierauf näher eingegangen). Die Interaktion dieser Hunde untereinander ist deshalb so positiv für ihren Hund, da er seine Art zu sein diesem anderen Hund gegenüber völlig ausleben kann und umgekehrt. Solche Interaktionen fördern, dass Ihr Hund in seinem inneren Lot (Was sind Passende Hunde) bleibt.

In Variante 2 erleben Sie Hunde, die nicht zueinander passen, aber in der Begegnung einen Energieschub (Adrenalinschub?) bekommen. Im Grunde ist diese Art Spiel eine Konfliktbewältigung zweier Hunde, die eine Kollision miteinander vermeiden wollen und als eine Art Beschwichtigung ein Spiel anfangen. Deshalb sind solcherlei Spiele sehr hektisch und schnell, da die Hunde sich nicht wirklich wohl miteinander fühlen, durch die freundliche Interaktion miteinander aber vermeiden können, dass es zwischen Ihnen kollidiert. Solche Treffen können aber nach Jahren umschwenken und einer der Hunde beschließt, dass er nicht mehr bereit ist dies auf so freundliche aber für ihn Stress bedingte Art zu lösen.

Variante 3 tritt oft in Gruppen auf, in der Variante 2 zum Vorschein kommt. Durch die Dynamik einer größeren Gruppen schließen sich einige Hunde zusammen, die vorher ihren Stress mit einem unpassenden Hund durch hektisches Spiel gelöst hatten, um diesen Stress nun auf einen Hund innerhalb der Gruppe zu konzentrieren und diesen zu mobben.

Variante 4 und 5 sind selbsterklärend und Variante 6 habe ich bereits erläutert.

Spielen ist also, außer in Variante 1, eine Form von Stressabbau. Durch solcherart wiederholte Kontakte hat der Hund nur Stress und man tut ihm nichts Gutes damit. Aber um dies wirklich zu erkennen, muss man eine Begegnungen passender Hunde erlebt haben, um den Unterschied für den eigenen Hund wahr zu nehmen, erst dann erkennt man meist den Stress in den anderen Varianten.

Lesen Sie im nächsten Teil was „passende Hunde“ überhaupt bedeutet und was es in einem Hund anstellt, wenn er wiederholt unpassende Kontakte hat.